Mein Weg nach Deutschland | Ein Blatt aus meinem Tagebuch


   Ich wollte es nie, aber anders konnte es nicht sein. 
Wir hätten doch eine Menge intelligenter und talentierter Menschen. Wir haben touristisches Potenzial und so viele Möglichkeiten zu produzieren – doch aufgrund der Korruption schaffen wir es nicht, diese Vorteile zu nutzen. Rumänien ist ein Land, in dem heute Analphabeten – im übertragenen wie im eigentlichen Sinn – die Gesetze erlassen und Medien die Dummheit fördern. Diese Leute verkaufen, bestehlen und belügen uns, während sie uns in die Augen schauen. Wir sind klein und hilflos vor ihnen. Der Versuch, etwas zu verändern, würde uns selbst beschmutzen, weil wir zu Mitteln greifen müssten, die uns ihnen ähnlich machen. Alles, was wir noch tun könnten, ist, an eine andere Tür zu klopfen, zu versuchen, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen – ohne zu vergessen, Menschen zu sein, so wie sie es machten. Und leider, weil uns dazu unsere Lebenszeit zu knapp wird, weil uns dazu die Kraft fehlt, gehen wir ins Ausland.
   Unsere Hoffnungen waren die ersten, die über die Grenzen wanderten.
Im Ausland wirst du nicht bemerkt werden – es sei denn, du hast Geld in der Tasche. Es sei denn, dass du deinen Körper entblößt oder weil du der Neffe oder der Sohn von irgend einem Mensch bist, der dort einen Namen hat.
Aber trotzdem: Es wird genau das anerkannt und bewertet, was Sie im Kopf haben und was aus Ihren Mund kommt, das Talent, Ihre Fähigkeiten. Sie könnten Gehör finden oder jemand werden, weil Sie ehrlich sind, menschlich, schlicht in Ihrem Auftreten sogar. Sie werden kleine Schritte machen, mit Mühe und Geduld, stimmt, aber zumindest haben Sie Bewusstsein, dürfen wachbleiben, ohne daran zu verzweifeln, haben keine Barrieren und Enttäuschungen, jedenfalls keine, die Ihnen Ihre Lebenszeit rauben und Ihnen die Kraft aussaugen.
   Die Jugendlichen sind die ersten, die gehen. Sie sind zielstrebiger. Die Ältesten und die Eltern bleiben, aber auch sie gehen nach einer Weile zu ihren Kindern, die schon groß sind, weil sie es satt haben, einsam zu sein oder weil die Kinder keine Zeit mehr haben, sie zu besuchen. Ich nehme an, in einigen Jahren wird unser Land trauriger sein als es heute ist. Und einsamer.
Vielleicht wollte es niemand, aber anders konnte es nicht sein.

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